Was mache ich also, wenn ich nicht schwimme, radfahre oder laufe?

Triathlon-Training nimmt eine Menge Zeit in Anspruch - aber für mich ist das nicht genug, um meine Tage richtig auszufüllen. Ich bin Studentin an der renommierten Universität Oxford in England und habe im Juni 2015 meinen Master-Abschluss in Mathematik gemacht. Im Oktober 2015 habe ich mein Studium in Oxford mit der Promotion in Kombinatorik - einem speziellen Teilbereich der Mathematik - fortgesetzt.  


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Es geht nicht so sehr darum eine Doppelbelastung zu meistern, sondern vielmehr Sport und Studium Tag für Tag zu verbinden und aus dem einen Kraft für das andere zu schöpfen. Diese Balance zwischen sportlicher und akademischer Herausforderung hält mich ausgeglichen, gibt mir die Motivation meine Ziele zu erreichen, und ist damit Grundlage des Erfolgs - im Triathlon und in der Mathematik.


Mathematik hat mich immer schon fasziniert und über die letzten Jahre hat meine Liebe zur Mathematik noch zugenommen. Für mich gibt es nach einer harten Trainingseinheit nichts besseres als sich für eine Weile in der Welt der Mathematik zu “verlieren” - jeder, der mit mir schon einmal in einem Traininglager war, kann davon ein Lied singen.


Triathlon und Mathematik - meine zwei großen Leidenschaften 

Für mich ist es ein Privileg die beiden großen Leidenschaften in meinem Leben verbinden zu können. Ich liebe Triathlon, weiss aber auch, dass ich nicht jede Minute und jeden Tag über die nächste Trainingseinheit und das nächste Rennen nachdenken kann. Ich muss abschalten können und eine Möglichkeit haben, die nächste harte Trainingseinheit für eine Weile zu vergessen - und mein Studium gibt mir den Raum genau das zu tun. In ähnlicher Weise ist die Mathematik ein Thema, wo man manchmal bei der Suche nach Lösungen in eine Sackgasse gerät oder die Dinge von der falschen Seite betrachtet - dann ist der einzige Weg zur Lösung Abstand zu gewinnen und anschliessend das Problem aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten. Und hier ist es der Sport, der genau das möglich macht. Dieser Balanceakt zwischen Sport und Studium, zwischen Triathlon und Mathematik, ist für mich letztlich Voraussetzung für Erfolg auf beiden Gebieten. Er zwingt mich immer klar zu fokussieren, die Dinge in Einklang zu bringen und meine Zeit bestmöglich zu managen. 

Und genau das meine Philosophie. Es geht nicht so sehr darum eine Doppelbelastung zu meistern, sondern vielmehr Sport und Studium Tag für Tag zu verbinden und aus dem einen Kraft für das andere zu schöpfen. Der Sport hilft mir beim Studium: er gibt mir Zeit und Raum um meinen Kopf freizubekommen, die Arbeit hinter mir zu lassen und - im wahrsten Sinne des Wortes - ein wenig wegzulaufen. Und das Studium hilft mir im Triathlon: ich kann mich zurückziehen und auf andere Dinge konzentrieren, wenn Training und Wettkämpfe gerade nicht so laufen wie ich es gerne hätte.  Diese Balance zwischen sportlicher und akademischer Herausforderung hält mich ausgeglichen, gibt mir die Motivation meine Ziele zu erreichen, und ist damit Grundlage des Erfolgs - im Triathlon und in der Mathematik.


Was heisst es nun in Oxford zu studieren?

Nachdem ich 2011 mein Abitur an der Deutschen Schule London mit der Note 1,0 abgelegt habe, habe ich mich im üblichen Verfahren um einen Studienplatz an der Universität Oxford beworben.  Ich hatte damals die Wahl zwischen einer deutschen und einer englischen Universität, aber die internationale Atmosphäre von Oxford hat mich von Anfang an fasziniert und ich wollte unbedingt dort studieren. Trotz des sehr strikten Auswahlverfahrens an der Universität Oxford hatte ich - nach einem langem Eingangstest und nach vier Interviews - das Glück einen Studienplatz zu bekommen und begann im Herbst 2011 mein Master-Studium der Mathematik.

In den letzten Jahren habe ich eine große Liebe für Oxford und die Tradition der Universität entwickelt. Nicht überall wirst du von den Besten ihres Fachs weltweit unterrichtet - oft in Seminaren mit nur ein oder zwei weiteren Studenten. Es ist etwas besonderes, hier studieren zu können und Tag für Tag viele inspirierende Menschen aus der ganzen Welt zu treffen.

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Aber es gibt auch noch eine andere Seite von Oxford - den Sport. Sport spielt eine große Rolle im universitären Leben und ist sehr angesehen. Es gibt das Sprichwort, dass nur diejenigen ihr Studium in Oxford erfolgreich absolviert haben, die die Universität mit “a Blue, a spouse or a First” verlassen - ein “Blue” wird für sportliche Erfolge für die Universität verliehen. Viele kennen das “Varsity” Ruderrennen zwischen den Universitäten Oxford und Cambridge auf der Themse. Was viele nicht wissen - diese “Varsity” Wettkämpfe zwischen Oxford und Cambridge gibt es fast in jeder Sportart und es ist für jeden Verein der wichtigste Wettkampf im Jahr - wir werden eben nicht gerne von Cambridge geschlagen.

Und dann ist da noch das Iffley Road Stadium, in dem ich regelmäßig trainiere und in dem Sir Roger Bannister 1954 als erster Mensch die Meile unter vier Minuten gelaufen ist - er war damals auch Student in Oxford.


Und dann die oft gestellt Frage - können sich ein Studium an der ”Eliteuniversität" Oxford nicht nur ein paar wenige Privilegierte leisten? 

In England zahlen alle Studenten Studiengebühren. Für "Undergraduate Degrees" (erster Studiengang) bedeutet das für Studenten, die ihr Studium vor 2012 begonnen haben, Studiengebühren in Höhe von 3000 britischen Pfund im Jahr. Im Jahr 2012 wurden die Studiengebühren für Neuanfänger auf jährlich 9000 Pfund angehoben - diese Kosten gelten für britische Studenten und Studenten aus EU Ländern an allen englischen Universitäten. Zwischen Universitäten gibt es kaum Unterschiede, d.h. an der Universität Oxford zahlen Studenten nicht mehr als an anderen Universitäten. Die häufige Annahme, dass die Studiengebühren an den Universitäten Oxford und Cambridge höher sind als an anderen englischen Universitäten ist daher für Studenten im ersten Studiengang (“Undergraduate”) nicht korrekt.

Die Bewerbung für ein Studium in Oxford geschieht im Rahmen eines zentralen englischen Bewerbungsverfahrens, an dem alle Universitäten teilnehmen (UCAS). Die Auswahl der Studenten an der Universität Oxford erfolgt nach Schulabschluss, zusätzlichen Testverfahren und Interviews und ist nicht abhängig vom Einkommen der Eltern.

Ich habe mich für meinen Studienplatz in Oxford über dieses zentrale Verfahren beworben und habe 2011 einen vierjährigen Masterstudiengang der Mathematik begonnen.

 

Und was sind meine weiteren Pläne nach Abschluss des Master?

Eine Frage, über die ich intensiv nachgedacht habe. Mathematiker haben heute so viele Möglichkeiten - vom Banken- und Finanzsektor, Consulting, IT, Biowissenschaften, Medizin bis hin zu Technologie und Entwicklung (auch in der Entwicklung von Rennrädern arbeiten Mathematiker mit - das muss doch jeden Triathleten überzeugen). 

Wie oben erwähnt habe ich mit entschlossen mein Studium in Oxford mit der Promotion in Kombinatorik - einem speziellen Teilbereich der Mathematik - fortzusetzen.  Anfang 2015 erhielt ich die Zusage für einen der begehrten Plätze zum Erwerb des “Doctor of Philosophy in Mathematics” in Oxford und habe diesen im Oktober 2015 angetreten. Damit verbunden ist auch Lehrtätigkeit am Mathematischen Institut der Universität, was mich auch besonders reizt.

Und ich werde weiterhin alles daransetzen, Studium und Leistungssport erfolgreich zu verbinden!




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